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Studie zeigt: Hohe Fachlichkeit trifft im Osten auf strukturelle Unterausstattung
VS (pm). 28.01.2026 – Die heute veröffentlichte Studie der Bertelsmann Stiftung zur Personalausstattungsquote in Kindertageseinrichtungen zeigt massive strukturelle Defizite in der frühkindlichen Bildung – insbesondere in Ostdeutschland. Als Träger von rund 390 Kindertageseinrichtungen in den ostdeutschen Bundesländern sieht sich die Volkssolidarität in ihren langjährigen Erfahrungen bestätigt: Gute pädagogische Arbeit wird vielerorts unter Bedingungen geleistet, die ihr systematisch entgegenstehen.
Zu wenig Personal – trotz hochqualifizierter Fachkräfte Die Ergebnisse zeigen, dass in ostdeutschen Bundesländern nur ein äußerst geringer Anteil der Kitas die fachlich empfohlenen Standards bei der Personalausstattung erreicht. In Sachsen verfügen lediglich 0,6 Prozent der Einrichtungen über den wissenschaftlich empfohlenen Personalschlüssel. In Thüringen, Sachsen-Anhalt, Sachsen und Mecklenburg-Vorpommern stehen in 73 bis 85 Prozent der Kitas weniger als 60 Prozent der notwendigen Personalressourcen zur Verfügung. Gleichzeitig ist das Qualifikationsniveau der pädagogischen Fachkräfte in Ostdeutschland besonders hoch. Das ostdeutsche Kita-System weist damit eine ambivalente Struktur auf: eine schlechte Fachkraft-Kind-Relation bei gleichzeitig hoher fachlicher Qualität des Personals.
"Unsere Kitas im Osten stehen für Professionalität und Engagement – aber sie arbeiten seit Jahren am Limit", erklärt Susanna Karawanskij, Präsidentin der Volkssolidarität. "Gute frühkindliche Bildung braucht Zeit, Beziehungen und verlässliche Rahmenbedingungen."
Demografie als Chance – nicht als Sparprogramm Angesichts rückläufiger Kinderzahlen in vielen ostdeutschen Regionen sieht die Volkssolidarität dringenden politischen Handlungsbedarf. Sinkende Kinderzahlen führen bereits zu einem Überangebot an Fachkräften, denen Entlassungen drohen. Diese Entwicklung muss genutzt werden, um die Fachkraft-Kind-Relation zu verbessern, Arbeitsplätze zu sichern und die Qualität in den Einrichtungen zu stärken.
"Der demografische Wandel eröffnet die Chance für einen Qualitätsschub", so Karawanskij. "Diese darf nicht durch Sparlogiken verspielt werden. Freiwerdende Fachkräfte müssen in den Kitas gehalten werden."
Armut ist der Schlüssel – nicht Herkunftssprache Kritisch bewertet die Volkssolidarität zudem, zusätzliche Personalausstattung lediglich mit dem Anteil von Kindern nichtdeutscher Herkunftssprache zu begründen. Dieser Ansatz greift zu kurz, entscheidend für den Unterstützungsbedarf von Kindern sind soziale Ungleichheit, Armut und belastete Lebenslagen. "Wer Chancengerechtigkeit ernst meint, muss soziale Belastungen ins Zentrum der Personalbemessung stellen", betont Karawanskij.
Personal bedarfsgerecht steuern, Qualität sichern Die Volkssolidarität fordert Bund und Länder auf, die Ergebnisse der Studie konsequent in eine bedarfsorientierte Steuerung von Personalressourcen zu übersetzen. Ostdeutschland kann dabei Vorreiter sein: mit hochqualifizierten Fachkräften, stabilen Trägerstrukturen und der Chance, Qualität endlich strukturell abzusichern.
Hier geht es zur Publikation der Bertelsmann-Stiftung "Die Personalausstattungsquote in KiTas. Zusammenfassung".
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