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Vermischtes:
Zum Spielen und Staunen ins Museum




Eisenhüttenstadt (han). Wenn ein Museum zum Spielplatz für Kinder wird, klingt das irgendwie originell und ist schon etwas Besonderes, weil in Museen eigentlich nichts angefasst werden darf. Ganz anders im Museum für Utopie und Alltag (Dokumentationszentrum DDR-Alltagskultur) in Eisenhüttenstadt. Dort wurde am Samstag sozusagen auch noch als Geburtstagspräsent für die Frau, die dieses erst möglich machte, eine besondere Ausstellung eröffnet. Eine Vita im herkömmlichen Sinne kann man über Ursula Wünsch gar nicht schreiben, so facettenreich ist ihr Leben und ihr Schaffen, das nun bis zum 6. Juni 2027 im genannten Museum in der Erich-WeinertAllee 3 in Eisenhüttenstadt im wahrsten Sinne des Wortes zu erleben ist. Wie kam es zu diesem musealen Mitmach-Event?

Die gebürtige Erzgebirglerin Ursula Wünsch hatte Maurer gelernt, das Abitur abgelegt und wollte ursprünglich mal Lehrerin werden, bestand aber den Aufnahmetest wegen der Stimme nicht und damit begann eine total verrückte Geschichte. „Wenn das nicht klappt, dachte ich so daran Innenarchitektin zu werden und gab an der Burg Giebichenstein in Halle meine Bewerbung ab. Doch beim Gespräch vor Ort kam alles anders. Hier wurde mir eröffnet, dass es einen neuen Studiengang gäbe und ich als erste Bewerberin „Spielmittelgestalterin“ studieren kann. Ich hatte keine Ahnung, was auf mich zu kam“, erzählt sie an einem wohl DDR weit bekannten Spielpilz im Foyer des Museums, ihrem Werk. Irgendwie war aber die Pädagogik doch nicht aus dem Sinn der jungen Frau und bei Professor Hans Brockhage (bekannt unter anderem durch die Gestaltung des Foyers im Fichtelberghaus und im Palast der Republik), der als Formgestalter und Bildhauer in Schwarzenberg arbeitete, lernte sie auch Pädagogik mit Kunst zu verbinden. Das Ganz führte dann im Rahmen der verordneten Konsumgüterproduktion der Kombinate zur Idee erster Spielplatzgeräte. Im Teilbetrieb des WBK in Biesdorf wurden Hochdruckbehälter hergestellt. Gedrittelt und mit Löchern zum Toben und Klettern versehen, wurden sie beliebte Spielplatzgeräte nicht nur in der DDR, sondern auch in der Volksrepublik Bulgarien, in Kuba und Nikaragua. Eine Leidenschaft war geboren, die sie tüftelnd bis heute begleitet. Denn bei ihrer Arbeit mit dementen Menschen ist sie bis heute kreativ.

Deshalb soll auch hier Didaktik, der Zusammenhang von Spielen-Lernen-Erziehung, freigesetzten Emotionen in vielerlei Hinsichten aus den Betrachtungen ausgeklammert werden oder kennen Sie jemanden, der noch nicht gespielt hat? Sicher nicht. Umso schwerer war es für Museumschefin Christine Gerbich, Kurator Axel Drieschner und zahlreiche Helfer mit Unterstützung des Landkreises Oder-Spree und des Landes Brandenburg eine Ausstellung zusammen zu stellen, die es in dieser Form noch nicht gab und die sich so total abhebt von allen anderen in diesem Haus. „Der Fantasie freien Lauf lassen“, könnte ein Credo der Reise in die Spielewelt werden.

Bei der Eröffnung am Samstag waren nicht nur Kinder Feuer und Flamme von den zahlreichen Spielmöglichkeiten sondern auch die Eltern waren mit dabei. Mit dem Hintergrundwissen des Tages und den Erläuterungen und Entstehungsgeschichten von Ursula Wünsch sahen es die in der DDR Aufgewachsenen zum Teil mit anderen Augen. Denn Spielen ist Lernen, sei es auf den schon erwähnten und bekannten Betonpilzen auf den Spielplätzen, vielen andere Figuren oder alltäglichen Spielsachen in den Kinderzimmern, in KiTas und anderen Orten. Viele sind das Ergebnis der Experimentier- und Schaffensfreude einer „Spielmittelgestalterin“ und der praktischen Umsetzung eines Beschlusses der DDR-Regierung zur Konsumgüterproduktion in den frühen 1970er Jahren. All das und noch viel mehr gibt es im Museum Utopie und Alltag zu erfahren, wo Mitspielen und Mitmachen von 11.00 bis 17.00 Uhr täglich, außer montags, erlaubt ist.

Fotos: han

Eingetragen am 26.10.2026 um 04:36 Uhr.
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