


|
Eisenhüttenstadt (han). Wer den Regen am Samstag gesehen hat, glaubte wohl eher nicht an Leute, die freiwillig bei diesem Wetter auf Zweiräder aller Art steigen. Und doch waren vor allem junge Leute mit dem typischen Zweitaktgeruch aus dem Auspuff unterwegs, um zu einem ganz besonderen Treffen zu fahren.
Es passiert nicht oft, dass sich gestandene Mitglieder eines Hubraum starken Motorradclubs mit Youngstern der 50er Klasse treffen. Allerdings war es kein beliebiges sondern ein ganz besonderes und bei Jugendlichen überaus beliebtes Fabrikat der Zweiräder. Denn bei diesen stehen die „Simmes“ aus Suhl ganz hoch im Kurs. Ein kleines Schild am Rande der Beeskower Straße 19 in Eisenhüttenstadt verwies auf das „Simsontreffen“ beim MC Headstrong. Begrüßt mit Handschlag und einem Bon für Bratwurst und Getränk fühlten sich die Ankömmlinge auf den zweitaktenden Suhler Gefährten sofort willkommen. Vom Normaltyp bis zum aufgemotzten 90 Kubikzentimeter Fahrzeug gab es alles zu bewundern. „Wir haben die Karren von unseren Vätern“, war die einhellige Aussage und auch: „Gemeinsam haben wir daran herumgeschraubt und sie wieder zum Fahren gebracht“, eine oft gehörte andere. Soweit zu den jungen Leuten, die neugierig die Maschinen der anderen betrachteten, begutachteten und Tipps untereinander austauschten. Immer wieder einbezogen in die Gespräche auch die Mitglieder des Motorradclubs Headstrong, denn die wollten unter anderem herausbekommen, wer denn nun die Pokal trächtige schönste bzw. originellste Simson hat. Aber passen die „alten“ Headstrongers mit ihren PS starken Harleys und anderen Maschinen überhaupt zu den zierlich anmutenden Suhler Fahrzeugen?
„Durchaus“, meinte Headstrong-Mitglied Ronald Voigt und beginnt zu erzählen: „Wenn man durch die umliegenden Ortschaften fährt, sieht man viele junge Leute auf ihren Simsons, mal allein, mal im Pulk. Da kam uns die Idee, die einfach mal einzuladen und mit ihnen ein wenig zu fachsimpeln und vielleicht auch unseren MC Headstrong mal etwas zu verjüngen.“ Ja, Nachwuchssorgen gibt es eben auch bei den Motorradrockern, die eigentlich gar nicht so übertrieben rockig sind, sondern das Vereinsleben mittlerweile mit „Kind und Kegel“ verbringen. „Gemeinsamkeit wird groß geschrieben, ohne Frauen geht es sowieso nicht und das tut auch unseren Ausfahrten keinen Abbruch“, ergänzt Ronald Voigt lachend, der kurzerhand seine Vereinskollegen, die anwesenden Kinder, Frauen und die Simsongemeinde zum Gruppenfoto einlädt.
Wer nun nicht beim Treffen dabei war, hat die Chance im nächsten Jahr vorbeizuschauen, denn an eine Wiederholung haben die Biker des MC Headstrong durchaus gedacht. Übrigens, harte Biker sind bei jedem Wetter unterwegs und so kamen trotz der starken Regengüsse doch zahlreiche junge Leute aus den umliegende Ortschaften und aus der Stadt selbst zum Stelldichein an der Beeskower Straße. Größer kann Leidenschaft eigentlich nicht sein und so freuen sich die Älteren auf neue Mitglieder ab dem 18. Lebensjahr mit Motorradführerschein und vielleicht einer Maschine ab 500 Kubikzentimetern. Das „ab 500 Kubukzentimer“ scheint dabei sehr wichtig zu sein. Wer sich informieren und Vereinsluft schnuppern möchte, ist auch zu den offenen Clubabenden am ersten Freitag im Monat herzlich willkommen.
Der MC Headstrong wurde vor 32 Jahren gegründet. Natürlich haben sich die Mitglieder dem Motorradfahren verschrieben. Neben Tagesausfahrten ist aber auch der jährliche Cluburlaub mit im Programm. Letzt genannter führte u.a. nach Schweden. Kameradschaft, füreinander Dasein und sich gegenseitig helfen, steht dabei ganz oben auf der Agenda und gehört zum Selbstverständnis der Clubarbeit.
Fotos: han |